Bordeaux-Wein - Der Jahrgang 2006

Wachstum und Reife der Bordeaux-Trauben wurden im Jahr 2006, dem immerhin zweitwärmsten Jahr seit Menschengedenken, vor allem durch zwei Ereignisse stark beeinträchtigt, obwohl der Jahrgang durch seine schnell ablaufende Blüte und seine hohen Temperaturen in Juni und Juli (der heißeste Juli seit 85 Jahren) zu großen Hoffnungen Anlass gab: Erstens das kühle und überdurchschnittlich feuchte Augustwetter (der kühlste August seit 20 Jahren), unter dem in erster Linie die Küsten nahen Weinberge des nördlich Médoc litten. Und zweitens der schon in der zweiten Septemberdekade (nach sehr heißen Tagen in der ersten Dekade) einsetzende, sehr ergiebige Herbstregen, der bei relativ milden Temperaturen für eine starke Ausbreitung des Grauschimmel sorgte. So konnten die Trauben nur in wärmeren, frühreifen Weinbergen weitgehend ausreifen, während die Weine aus weniger günstig gelegenen Terroirs „nicht integrierte, adstringierende Tannine und vegetabile Noten“ behielten. Zum Glück schlug das Wetter nach der zweiten regnerischen Septemberdekade wieder um: Die dann einsetzende und sich bis zum 5. Oktober hinziehende Lese fand bei strahlendem Sonnenschein statt. Wichtig war auch der Wind: Wo er die Reben schnell trocknete (wie etwa in Fronsac) konnte der Grauschimmel gebändigt werden. Gut abgeschnitten haben laut VINUM nicht einzelne Regionen, sondern einzelne Güter. Innerhalb der Appellationen sind die Unterschiede beträchtlich. Gelobt werden vor allem die Weine aus Saint Julien, Pomerol und auch die Graves-Weine. Bei den übrigen Appellationen hängt die Qualität weitgehend davon ab, wie weit ihre Reben von der Gironde entfernt wachsen und die Trauben dank des günstigeren Mikroklimas früh reiften. Im übrigen gilt aber, dass gerade deshalb, weil die Traubenreife wegen des kühlen Augustwetters retardiert wurde, sich Gerbsäurefrische und Mineralität besonders gut erhielten und so den Jahrgang 2006 zu einem „klassischen“ Bordeauxjahrgang werden ließen. Da ist es kein Wunder, dass er mit den doch recht ansehnlichen Jahrgängen 1986 und 1996 verglichen wird. 

Die trockenen Weißweine hatten bei diesem Wetter weniger Probleme und werden allgemein lobend erwähnt, während man auch kritische Stimmen zu den Süßweinen lesen kann und Gabriel schon vom Supermarkt spricht, auf dem er die Verramschung des weniger gut gelungenen Restes der Sauternes erwartet, weil in Sauternes/Barsac der September-Regen mitten in die Reifeperiode fiel. Aber Harald Ecker erwähnt etliche sehr gelungene Sauternes, die auch ich in meinen Notizen als besonders gut kennzeichnete.

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