Bordeaux-Wein - Der Jahrgang 2008

Auch dieses Jahr brachte zahlreiche Wetterprobleme mit sich: Im April trübte ein starker Frost im Sauternes-/Barsac-Gebiet, aber auch im Graves die Ernteaussichten. Außerdem regnete es doppelt so viel wie im Durchschnitt, so dass sich Mehltau ausbreiten konnte. Auch Mai und Juni waren kühl und regnerisch, so dass sich die Blüte verzögerte. Teilweise wurde ihr Erfolg durch Verrieselung der Blüten und Unregelmäßigkeit der Beerenbildung beeinträchtigt. Erst im Juli wurde es endlich sonnig und warm wie im Jahr 2005. Im August aber schien schon wieder die Sonne 20% weniger als sonst und war auch kühler. Erst Mitte September setzte ein trockener und heißer Altweibersommer ein, der dann bis zum Beginn der Frostperiode am 19. Oktober anhielt. Zum Glück waren die Nächte so kühl, dass sich die Beerenfäulnis nicht ausbreiten konnte. Das Wetter gegen Ende der Vegetationszeit hatte noch einen weiteren Vorteil: Der vorherrschende Nordwind trocknete und dehydrierte die Beeren (wie 1996), die dadurch voll ausreiften. Generell kommen die 2008er nicht an die 2005er heran, aber sie gelangen besser als die 2007er. Auf dem linken Ufer übertrifft der 2006er die 2008er, während es auf dem rechten Ufer meisten umgekehrt ist.

Etwas anders sind die Weißweine zu bewerten: Das kühle, feuchte Wetter bewahrte in den weißen Trauben Frucht und Frische. Sie reiften bestens aus, so dass die Bedingungen für die trockenen Weißweine geradezu perfekt waren. Auch die edelsüßen Weißweine gelangen 2008 sehr gut, wenn sie auch nicht den reichen Jahrgang 2007 übertreffen. Sie überzeugen mit ihrem reintönigen Botrytiston und ihrer nervigen Frische.

2007: Der rote Bordeaux 2007 ist ein mittlerer bis guter Jahrgang mit unterschiedlichen Qualitäten: Es gibt auf dem linken Ufer sehr gute Rote, sofern sie viel Cabernets enthalten, vor allem Cabernet-Sauvignons. Seltener und nur in den besten Terroirs des rechten Ufers gelangen sie sehr gut, wenn die Merlot-Rebe vorherrsche. Allerdings finden sich auch auf dem linken Ufer sehr unterschiedliche Qualitäten. Das Terroir schied dort die Spreu vom Weizen. Es überrascht aber trotzdem, was die Winzer trotz eines völlig missratenen Sommers – kalt, feucht, Rebkrankheiten im nie erlebten Ausmaß – letztlich mit ständiger Weinbergsarbeit und dank eines schönen Altweibersommers noch zuwege brachten. Viele Rote sind daher besser als der zu früh gescholtene Ruf des 2007ers vermuten lässt.

Dagegen ist der 2007er bei den trockenen Weißweinen ein sehr guter Jahrgang, bei den Edelsüßen sogar ein großer Jahrgang.

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