Bordeaux-Wein - Der Jahrgang 2009

Dieser Bericht lehnt sich teilweise an einen Aufsatz von John U. Salvi – einem schon lange in Bordeaux lebenden Master of Wine an: -Salvi beginnt seine Ausführungen mit dem Winter 2008/2009, der zwar 8 Frosttage mit sich brachte, aber leider mit 347 mm Niederschlag zwischen November und März relativ trocken war, worunter dann die Reben in trockenen Sommern immer leiden, weil der Grundwasserspiegel zu niedrig ist.

Der März war auch sehr trocken und sonnenreich; trotzdem begann der Austrieb nicht sonderlich früh. Im April dagegen ließ sich die Sonne wesentlich seltener sehen. Es regnete an 17 Tagen und 45% mehr als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre, was aber nach dem trockenen Winter sehr begrüßt wurde. Die Temperaturen waren milde, so dass sich der Austrieb regelmäßig fortsetzte. Auch im Mai gab es ausreichend Regen und einige heftige Gewitter, die etliche Reben in Mitleidenschaft zogen. Die Sonne schien mehr als im Durchschnitt. Richtig warm wurde es aber erst im Juni, vor allem in der zweiten Monatshälfte, während es im ersten Drittel noch viel regnete. Das war wegen der gerade ablaufenden Blüte unangenehm. Man befürchtete die dadurch verursachte „Millerandage“ und Mehltau, aber das dann einsetzende Sonnenwetter trocknete die Krankheiten aus und machte alle Befürchtungen zunichte. Der Juli war heiß und trocken, aber nicht extrem; immerhin war der Niederschlag nur 15% geringer als im Durchschnitt. Bereits Ende des Monats begann bei den Merlot-Trauben die Véraison und alles lief normal, als der August zunächst mit vier regnerischen Tagen begann und sich dann in eine andauernde Hitzeperiode (30 Sonnenstunden pro Tag) verwandelte. Diese gipfelte am 15. 8. mit 36,2° C. Die Reben litten unter dem Trockenstress, der die Reife schon unterbrach. Das Sonnenwetter setzte sich aber 10 Tage im September fort, so dass die Lese der (trockenen) Weiß-Wein-Trauben unter besten Bedingungen abgeschlossen werden konnte. Erst als der Hitzestress am größten war und Regen am dringendsten benötigt wurde – zwischen dem 15. und 20. 8. – regnete es (worüber sich auch die Winzer in Sauternes und Barsac sehr freuten, weil nun bei den Süßweinen die Botrytis einsetzten konnte) und ließ bei den Rotweintrauben den schon unterbrochenen Reifeprozess wieder einsetzen.

Es wurde in der letzten Septemberdekade noch einmal richtig heiß (heißer als je in den letzten 63 Jahren), und die Nächte waren kühl, so dass die Säure erhalten blieb. Die Merlot-Lese begann zwischen dem 21. und 25. 9., während die Cabernet-Lese erst am 28. 9. startete – oder ein paar Tage später, um die perfekte phenolische Reife abzuwarten. Auch im Oktober blieb es mild und trocken (aber nur im Médoc regnete es im ganzen Monat nur 33,8 mm gegenüber 94,0 im Durchschnitt) und ideal für die Lese der Cabernet und Petit Verdot – Trauben, die am 22.10. endete. 2009 brachte den sprichwörtlichen Goldenen Oktober. Cheval Blanc erinnerte in einem ersten Fernseh-Interview an 1947.

Einschätzung des Jahrgangs

Das klingt gut, aber wie wird 2009 im Vergleich zu anderen Jahrgängen eingeschätzt? Die drei Önologen der Universität Bordeaux 2 Laurence Geny, Bernhard Doneche und Denis Dubourdieu haben sich in einem zehnseitigen Report, den wir Ihnen gern per Mail schicken, diese Frage gestellt und für die Jahrgangsbeurteilung fünf Kriterien definiert.
(1) (2)Blüte und Fruchtansatz Anfang Juni in einer warmen, sonnenreichen und relativ trocken Zeit,
(3) eine frühzeitige Véraison Ende Juli, doch sollte sie nach einer genügend trockenen Periode erfolgen, in der das Wachstum der Rebe dadurch beendet ist
(4) eine komplette Reife in den Monaten August und September bei warmem, nicht ganz regenfreiem, aber im Médoc besonders trockenem Wetter
(5) eine „Traum-Lese“ Ende September bis in den Oktober hinein bei außerordentlich trockenem Wetter.

Das exzellente Jahr 2005 hat alle diese Kriterien perfekt erfüllt, das sehr gute Jahr 2006 nur die drei ersten, das schwierige Jahr 2007 nur das fünfte, das es gerettet hat, das wieder sehr gute Jahr 2008 perfekt das dritte und das fünfte, aber unvollständig das vierte. Ob 2009 die fünf Kriterien erfüllte, ist heute noch schwierig zu beantworten. In vielen Weinbergen sicherlich, aber wahrscheinlich nicht überall, und zwar aus zwei Gründen: Die Wachstumshemmung vor der Véraison war nicht so strikt wie 2005; außerdem mussten die Reben im August so stark unter der Trockenheit leiden, dass die Traubenreife darunter litt.
Des Weiteren werden in dem Report alle klimarelevanten Indexzahlen und Besonderheiten (einschließlich der Säure- und Tannin-Werte) der vergangenen Jahre wiedergegeben, die hier nicht alle aufgeführt werden sollen. Wichtig ist aber die abschließende Beurteilung:

Die Temperaturen waren im August so hoch, dass die Aromen der Sauvignon (Blanc) sich nicht so explosiv wie 2007 und 2008 entwickeln, was die Weinliebhaber, die überparfümierte Sauvignon-Weine weniger mögen, nicht stört. Sie werden den starken Ausdruck und den komplexen und „attraktiven“ Geschmack der 2009er Sauvignon schätzen. Die Semilion, die eher kalkige Böden bevorzugt, hatte in diesem Jahr eine bemerkenswerte Kraft und Saftigkeit.
Es ist wie gesagt schwer, die Rotweine jetzt schon so präzise zu beurteilen, aber man kann auf jeden Fall festhalten, dass die dunkle Farbe, die starke Fruchtigkeit, die Qualität und Sanftheit der Tannine der 2009er auf einen großen Jahrgang 2009 hinweisen, in dem sich das Terroir in höchstem Maße ausdrückt.
Die großen Süßweine aus Sauternes und Barsac, die außerordentlich von der Botrytis profitieren, die sich nach dem Regen Mitte September bildete, sind beeindruckend reich und von großer Reinheit, Kraft und Komplexität. Sie sind ohne Übertreibung herrlich.

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