Bordeaux-Wein - Der Jahrgang 2014

Das Jahr 2014 wurde uns in der Presse als „bester Jahrgang seit 2010“ angepriesen: Nach einem milden, aber feuchten Winter, der die Wasserreserven im Boden wieder aufgefüllt hat, begann das Frühjahr mit reichlich Sonnenschein und Temperaturen, die leicht über dem Durchschnitt lagen. Im Juni vollzog sich die Blüte bei eher kühlem Wetter rasch und problemlos. Das Wetter im Juli entsprach in jeder Beziehung dem lang­fristigen Durchschnitt. Dann kam aber ein außerordentlich kühler August, der keineswegs das tat, was er in anderen Jahren zu tun pflegt (L‘oût fait le moût): Es regnete häufig und reichlich (vor allem am rechten Ufer der Gironde) anderthalbmal so viel wie im 30-jährigen Mittel). Folglich reiften die Beeren nur sehr langsam, was den gesamten Vegetationszyklus deutlich verlängerte. Die Winzer dachten Ende August schon an das miserable Jahr 2013 und waren verzweifelt. Dann aber kam am 25. August der große Wetterumschwung mit bestem Reifewetter. Im September fiel nur noch ein Viertel und im Oktober nur noch die Hälfte der lang­jährigen Normalmenge, während die Anzahl der Sonnenstunden sowie die Temperaturen deutlich über dem Durchschnitt lagen. Gleichzeitig war es in den Nächten kühl, so dass sich die Botrytis nicht ausbreiten konnte. Die Lese (der Merlot-Trauben) begann fast im gesamten Bordeaux-Gebiet am 20. September und dauerte für die Cabernet franc-Trauben bis etwa zum 7. Oktober und für die Cabernet Sauvignon und Petit Verdot-Trauben bis in die dritte Oktober-Woche hinein.

Die Weißweine, die wir in Bordeaux probierten, hatten zwar Frische und knackige Säure, die für eine gewisse Eleganz sorgen, doch machte ihnen das schlechte August-Wetter sehr zu schaffen. Da die Lese hier schon Anfang September begann, hatten sie wenig Zeit zur Nachreife. Das gilt sowohl für die trockenen Weine im Graves und Médoc als auch für die süßen Weine des Sauternes und Barsac. Letzteren fehlt Schmelz und Volumen, wie es Ulrich Sautter in seinem Weinverstand Extra ausdrückt.

Doch das schöne Wetter im September und Oktober ließ nicht überall sehr gute Weine entstehen. Es siegten in diesem Jahr die Winzer mit den besten Nerven: Wer im August nicht aufgab und seinen Weinberg weiter­hin sorgfältig pflegte, hatte meistens gewonnen. Ein wichtiger Qualitätsfaktor war 2014 natürlich auch eine gute natürliche Drainage der Reben, weshalb Weingüter mit Kieskuppen-Untergrund den Nachbarn mit weniger kiesigem Boden überlegen waren. Nicht unmaßgeblich war aber ebenso die Rebproportion, weil 2014 wegen des überall spät einsetzenden Reifewetters die Merlot-Trauben nicht genug Zeit hatten auszu­reifen. Insbesondere im nördlichen Médoc, wo gemäß Tradition eine Rebproportion mit höherem Sauvignon-Anteil bevorzugt wird, wurden 2014 sehr gute Weine erzeugt.

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