Burgunder-Wein - Der Jahrgang 2010

Bisher dachte ich immer, heiße und trockene Sommer sind die wichtigsten Voraussetzungen für große, konzentrierte Weinjahrgänge. Deshalb fragte ich mich nach der Probe der ersten Weine des Jahrgangs 2010 (aus dem die meisten Weine dieses Angebots stammen und die zu den großen Weinjahrgängen zählen), was wohl in diesem Jahr passiert war, dass sie so überragend ausfielen und dass Meadows voller Begeisterung feststellen kann, „they have this beguiling sense of underlying tention that praticaly begs for another sip“: Weder hatte die Vegetationsperiode noch die Zeit der Lese dieses „ideale“, trockene  Wetter. Im Gegenteil: Nach einem sehr kalten Winter, der schon am 19. Dezember, als in den Rebstöcken der Saft noch nicht gänzlich in die Wurzeln zurückgekehrt war, mit Temperaturen bis zu -24° die Winzer überraschte  und sehr viele Reben  diesem „schwarzen Frost“ zum Opfer fallen ließ (weil sie bei solchen Temperaturen gesprengt wurden) und sehr kühlem Januar und Februar folgte ein feuchtes, eher  ebenso kühles Frühjahr mit weniger Sonnenschein als im Durchschnitt der letzten 60 Jahre. Selbst im Juni und Juli gab es noch neben  kürzeren trockenen Perioden kühles Wetter mit übernormal viel Regen, und der August war zwar trocken, aber auch sehr kühl (was wenigstens verhinderte, dass die Beeren verschimmelten). Im September wurde es dann wärmer, so dass die Reife schnell fortschreiten konnte. Die Lese fand zwischen dem 22. und 24. September bzw. nach dem 1. Oktober statt.  Meadows glaubt – und wurde vielfach von den Winzern darin bestätigt – dass die hohe Qualität der 2010er in erster Linie  den sehr niedrigen Erträgen dieses Jahres zu verdanken ist, der sog. Kleinbeerigkeit („millerandage“) mit sehr vielen kleinen und vor allem  kernlosen Beeren, die schon durch das kühle Wetters während der Blüte entstand und die für eine sehr günstige Relation zwischen festen und flüssigen Anteilen im Most verantwortlich ist. Während die Weine aus trockenen, heißen Sommern zwar auch über  hohe  Extrakt-Werte verfügen, aber  oft geschmacklich unter den aus den Kernen stammenden Tanninen zu leiden haben, ist dies bei den Weinen aus den kleinen, dickhäutigen Beeren der 2010er anders. Ihre feinen Tannine aus den Beerenhäuten sind zarter und verleihen den Weinen ohne Schwere Langlebigkeit, Transparenz und eben einfach Größe.

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